CODERS.BAy - Eine sehr persönliche Reflexion - Teil 5 - JEdes Ende ist zugleich ein Anfang
Nach einiger Zeit melde ich mich wieder mit einem Update in eigener Sache – einer Mischung aus Reflexion und Sneak-Preview.
Es ist nun knapp ein Jahr her, dass die CODERS.BAY in der damaligen Form das “Aus” ereilt hat. Somit haben sich auch die Menschen von damals neu orientiert bzw. orientieren müssen. Ab und an läuft man sich über den Weg und es beruhigt mich zu sehen, dass diejenigen, die ich getroffen habe, scheinbar alle gut gelandet sind.
Manche innerhalb der Organisation – viele auch ganz woanders, aber eine Mischung aus Nostalgie und “es ist gut so wie es ist“, ist der vornehmliche Tenor und das freut mich.
Zwischenzeitlich habe ich nochmals einen Ausflug in eine techniklastige Rolle gewagt, die mir jedoch schnell gezeigt hat, dass das nicht (mehr) meine zukünftige Heimat sein wird. Zu sehr sehe ich andere Themen als meine Kernkompetenz.
Nun bin ich seit einiger Zeit genau das, was ich eigentlich nie angestrebt hatte: rein selbständig – ohne Dienstvertrag, 14 Monatsgehälter und ohne große Organisation im Rücken. Ungewohnt irgendwie, aber doch wesentlich stressfreier als erwartet. Ich arbeite sicher nicht weniger Stunden als zuvor, jedoch hat sich meine Wirksamkeit stark erhöht. Ich habe auch jetzt schwierige Gespräche, komplexe Problemstellungen und auch das eine oder andere, das mir nicht gefällt – der Verwaltungsaufwand ist jedoch auf ein Minimum reduziert.
Robert Greenleaf – einer meiner Säulenheiligen und Begründer des Servant Leaderships – hat jungen Menschen immer empfohlen, in große Organisationen zu gehen, um sie von innen zu reformieren. Das war auch mein Ansatz bisher und ich habe dafür viel in Kauf genommen und auch eine gewisse (finanzielle) Sicherheit und den einen oder anderen Hebel durch die Organisationen bekommen, die ich auf der Visitenkarte stehen hatte.
Manches ist gelungen, viel Energie verpuffte aber auch sinnlos. Eine Organisation zu verlassen ist ein spannendes Unterfangen, denn es bringt einen Moment hervor, der einem zeigt, welche Partner und Interessenten an Manuel Blum interessiert sind und welche an der Rolle auf meiner Visitenkarte. Es freut mich und ich sehe es als Erfolg an, dass über die Jahre viele Menschen einfach “picken” geblieben sind. Dennoch überlege ich nach wie vor, ob ich gerade den leichteren Weg wähle, da ich nicht mehr in eine große Organisation eingebunden bin. Andererseits diagnostiziere ich viele dieser Organisationen als Auslaufmodelle, da sie unfähig sind sich von innen zu erneuern. Gerade der breite autoritäre Backlash, der die Problemstellung nur verschlimmert, erscheint mir als Gegenstromanlage, gegen die ich nicht zu schwimmen bereit bin und ich kann zwar gerne mit Menschen aus solchen Organisationen zusammenarbeiten, jedoch verhindert diese Haltung zukunftsfähige Entwicklungen.
Als Berater kann ich damit jedoch besser mit dem Thema umgehen, da ich mich nicht damit identifizieren muss. Vielleicht treibt es mich im Laufe meines weiteren Werdegangs wieder einmal in eine große Organisation, derzeit ist es aber “good enough for now” und macht gerade viel Spaß, etwas Neues aus der Taufe zu heben.
Der wirkliche Gamechanger war jedoch genug Geld zu besitzen um nicht “arbeiten zu müssen”, sondern an einem Punkt zu sein, wo ich mir theoretisch auch ein halbes Jahr ohne Einkommen gönnen konnte – es war dann im Grunde nur ein Monat mit Defizit bisher – aber die Freiheit war da um Zeit und Energie in Möglichkeiten mit ungewissem Ausgang zu investieren. Die eine oder andere Idee zu einem Startup, die mich gereizt hätte, die ich aber nicht auf den Boden bringen konnte, und einige Gespräche mit Bekannten und ehemaligen Partnern haben Möglichkeiten eröffnet. Insofern ein kleines Plädoyer für das bedingungslose Grundeinkommen als Wirtschaftsmotor für Unternehmertum und Innovation. Druck erzeugt bestenfalls Konformität und vielleicht sogar Reaktanz – Sicherheit ist eine Basis für Innovation und Risikoübernahme. Hier auch nochmals ein expliziter Dank an meine Intervisionsgruppe, die mich – als kaufmännischen Teilzeitpessimisten – ermutigt haben, die Dinge einfach zu verfolgen, die sich so aufgetan haben.
Was ist nun das angekündigte Preview – was macht der Dicke gerade?
Mit Werner Arrich werden wir gemeinsam mit unserem Partner bizConsult – mit denen wir schon in der Vergangenheit als Lieferant zusammengearbeitet haben – die SAP Academy nicht nur wiederbeleben, sondern weiterentwickeln. Mit bizConsult hatten wir schon damals eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und Zugang zu SAP-Testsystemen, Zertifizierungen und einem Trainerpool. Nun können wir gemeinsam unsere Angebote näher an unsere Unternehmenskunden bringen.
Auch die eine oder andere zusätzliche Kooperation versuchen wir gerade aufzubauen und wir werden den Sommer zum Teil dazu nutzen, einen neuen Auftritt und ein breiteres Portfolio auf die Beine zu stellen. Also im wahrsten Sinne des Wortes sind wir gerade in einer heißen Phase (39 Grad Celsius..wtf..)
Und wieder einmal hat sich eine goldene Regel des Lebens bestätigt:
Jedes Ende ist zugleich ein Anfang – denn was am Ende bleibt, ist das, wofür wir in der CODERS.BAY immer angetreten sind: Es sind die Menschen.