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CODERS.BAY – eine sehr persönliche Reflexion – Teil 1 – In welches Nest lege ich mein Ei?

Manuel Blum mit Rubberducky

CODERS.BAY - eine sehr persönliche Reflexion - Teil 1 - In welches Nest lege ich mein Ei?

Übergänge im Leben sollten nie ignoriert, sondern bewusst begangen werden. Jedes Ende gibt Raum für neue Anfänge – egal wie freudvoll oder schmerzhaft dieser Abschluss zustande kam. Wie bei meinen Texten üblich, ist es eine Mischung aus Größenwahn und Selbstzweifel, Volkswirtschaft und persönlicher Meinung,  Analysen und Hypothesen, stilistischer Übertreibungen, denn besser einen Freund verlieren als einen Witz auszulassen und hoffentlich ein wenig Tiefgang zwischen meinem geistigen Mäandern..

Nach 25 Jahren Privatwirtschaft – vom 4 Mann-Betrieb über Scale-Ups bis zu ausgedehnten Phasen im internationalen Konzernumfeld – mit Rollen in Technik, Vertrieb, Beratung und vor allem in verschiedenen Führungsrollen vom Lehrlingsausbilder, Team- und Projektleiter und vielen Erfahrungen mit Organisationsentwicklung aus allen Perspektiven, war mir immer wieder eines passiert: Der Sinn ging irgendwann verloren. 

Nicht nur mir selbst, sondern in meiner Wahrnehmung auch den Organisationen. Immer öfter wurde Geld zum Selbstzweck. Nicht mehr Treibstoff, um ein Ziel zu erreichen, das sich die Organisation gesteckt hat, oder als Nebeneffekt von guten Partnerschaften und umsichtigem Wirtschaften, sondern als einziges Ziel der Aktivität.

Nun mag man mich Romantiker nennen, aber selbst im Vertrieb – wo Umsatz und Deckungsbeitrag natürlich zum täglichen Geschäft gehören – war dies niemals mein Antrieb. Bonifikationssysteme waren tendenziell lästig und schlimmstenfalls motivationszerstörend bzw. eine unglaubliche Selbstbeschäftigung für die jeweilige Organisation. Mir scheint es haben sich in den letzten Jahren immer mehr Organisationen wegbewegt von der Verfolgung einer Vision bzw. oft auch nur der Einhaltung hanseatischer Kaufmannsehre, hin zu einem betriebswirtschaftlichen Piratenschiff.

Ein Beispiel: Preisstrukturen waren früher stark davon getrieben, wie hoch die Einkaufs- bzw. Herstellungskosten einer Ware oder Dienstleistung waren. Heute gibt es ganze Agenturen, die mit sämtlichen psychologischen Tricks „beraten“, wie man Margen maximieren kann, notfalls ohne überhaupt ein ordentliches Produkt zu besitzen. Wucher gilt nicht mehr als verwerflich, sondern als smartes Business. Die dahinterstehende Kunst scheint mir viel mehr darin zu legen, wie man diese offensichtliche Piraterie den eigenen Belegschaften verkauft, die diese umzusetzen haben, als in mehrwertgenerierender Beratung. Gerne auch im Paket mit Steuervermeidungspraktiken, die natürlich alle völlig legal sind – Moral kommt dabei nicht vor, wäre sie doch für dieses Geschäftsmodell existenzbedrohend. 

Auch aktive Verhinderung von Innovation ist Teil dieser Strategie, egal ob diese von Partnern, Mitbewerbern oder gar selbst betrieben wird, sofern sie potenziell die eigene Cash-Cow bedrohen würde. Startups “wegkaufen”, eigene Produkte einstampfen oder über Preiskämpfe Mitbewerber zerstören, um danach die Margen weiter optimieren zu können, sind alles mittlerweile legitime und ubiquitär eingesetzte Werkzeuge.

Das ist weder volkswirtschaftlich sinnvoll, noch besonders schlau, denn am Ende ist dies einfach ein Ausdruck von Macht die man derzeit zu projizieren in der Lage ist (und eigentlich schon der Hinweis auf strukturelles Marktversagen), unterläuft jegliche Idee von Wettbewerb und zerstört vor allem am Ende eines: Die eigene Innovationsfähigkeit.

Wenn ein Wettbewerb plötzlich nicht mehr mit wirtschaftlicher oder politischer Macht bekämpft werden kann, ist jegliches internes Innovationspotenzial qua struktureller Verhinderung und Zynismus im eigenen Hause erstickt. Innovation ist ständige Kulturarbeit und kein Schalter, auf den man schnell drückt, wenn der Hut brennt. Schönen Gruß an die europäische Automobilindustrie an dieser Stelle.

Um sicher zu gehen, dass meine Bewegung keine “weg von” sondern eine “hin zu” war, habe ich gekündigt, ohne bereits eine neue Aufgabe zu haben – was ich nur empfehlen kann, sofern es die eigenen Finanzen erlauben. Es gibt die Möglichkeit der Reflexion, die sich wesentlich verändert, wenn man nicht noch auf dem alten Hamsterrad sitzt. Reflexion halte ich für DIE Metakompetenz in der heutigen Zeit. Hartmut Rosa bezeichnet unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung als eine der „dynamischen Stabilisierung” – damit alles gleich bleibt, muss man aufgrund des gewünschten exponentiellen Wirtschaftswachstums also immer schneller werden. In diesem Lichte betrachtet ist Reflexion geradezu ein subversiver Akt, der jedoch hilft die eigenen Werte und Bedürfnisse bewusst zu hinterfragen und konkrete Planungen anstellen zu können.

Aus diesen Gründen habe ich damals die Entscheidung getroffen, aus der klassischen Unternehmenswelt in den NGO-Bereich wechseln zu wollen. Die Hypothese war das höhere Gehalt gegen Sinnstiftung zu tauschen.

Zusätzlich wollte ich bewusst in eine laterale Führungsrolle, da mir dies in meiner Erfahrung noch fehlte und mich reizte.

So begab es sich, dass ich beim BFI als Produktmanager für IT & Digital Business anheuerte. Das BFI als Marke war mir aus meiner vor mehr als zwei Dekaden absolvierten – damals Berufsmatura – ein Begriff und somit war ich sehr gespannt, wie die Dinge sich entwickeln würden…

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